Fahrplan-Änderungen: Geduldsprobe für Thüringer Bahnreisende

    Besucher & Klicks

    heute
    gesamt
    Besucher
    203
    218.987
    Klicks
    223
    381.848
    » Rekorde «
    Besucher
    20.244
    (12. Januar 2018)
    Klicks
    22.219
    (12. Januar 2018)
    Aufzeichnung seit 13. September 2016

      Fahrplan-Änderungen: Geduldsprobe für Thüringer Bahnreisende

      Bahnreisende in Thüringen werden im kommenden Jahr auf eine
      Geduldsprobe wie lange nicht gestellt. Grund ist die neue ICE-Strecke,
      die eine Reihe von Baustellen und Fahrplanänderungen mit sich bringt.



      Bahnreisende in Thüringen, die zwischen Jena und Weimar pendeln, müssen sich ab 2016
      auf umfassende Änderungen im Fahrplan und Streckennetz einstellen.
      Grafik: TLZ

      Weimar. Der Katalog ist so umfassend, dass die
      Änderungen nicht ganz zufällig zu einem so frühen Zeitpunkt
      veröffentlicht wurden. Dafür sollen die Kunden nach Abschluss des
      Projekts mit weitreichenden Verbesserungen belohnt werden. “Die Region
      soll optimal mit dem ICE-KnotenErfurt, Halle undLeipzig verknüpft
      werden”, sagtArne Behrens, Geschäftsführer der
      NahverkehrsservicegesellschaftThüringen (NVS) inErfurt. Ab Ende 2017
      werden sich die ICE-Linien vonBerlin undDresden nachFrankfurt und
      vonBerlin nachMünchen in Erfurt treffen.

      Als größte Herausforderung für die Bahngäste stehen zwei
      Großbaustellen an: Über 26 Wochen, vom 2. April bis 4. September, wird
      die Mitte-Deutschland-Schiene zwischenWeimar und Jena-Göschwitz voll
      gesperrt. Der Betrieb der Frankenbahn auf der Strecke
      zwischenLichtenfels undBamberg wird sogar bereits von Januar an
      eingestellt.

      Zweigleisiger Ausbau erzwingt Vollsperrung

      “Das Ersatzkonzept ist wohl überlegt. Ziel ist es, die
      schienengebundene Reisekette nicht abreißen zu lassen. Zumal zu
      Spitzenzeiten Busse die Fahrgäste des Regionalexpress-Verkehrs nur
      schwer auffangen könnten. Im Falle der Erfurter Bahn auf der Strecke
      Jena-Weimar haben wir nicht nur an Bus, sondern auch an Schnellbus
      gedacht”, sagtBehrens.

      Die Sperrung der Mitteldeutschland-Schiene sei
      notwendig, weil hier ein zweigleisiger Ausbau unter anderem mit
      Brückenneubau inJena angestrebt wird. Das vorhandene Gleis müsse
      zunächst verlegt werden, um Platz für das zweite Gleis zu schaffen.
      Dadurch sollen auf der viel befahrenen Strecke deutlich mehr Züge
      eingesetzt werden als bisher. “Langfristig wird die Ost-West-Achse
      massiv gestärkt, weil die Züge irgendwann im in einem deutlich
      angenehmeren Takt fahren können”, sagtBehrens.

      Ab 14. Dezember soll der neue Fahrplan gelten. Bahnreisenden
      verbleibt also weniger als ein halbes Jahr Zeit, sich auf den
      umfangreichen Änderungskatalog einzustellen. Die Fahrplan-Entwürfe
      werden allerdings bis auf Weiteres vorläufig eingestuft.
      Regional-Express-Züge der Bahn zwischen Erfurt undGera nehmen vonWeimar
      den Umweg überGroßheringen nachJena. Dort halten sie aber nur in
      Jena-Paradies und Jena-Göschwitz, um nicht mehr als eine Viertelstunde
      Zeit einzubüßen. Entsprechend später kommen die Züge von oder nach
      Göttingen inGera an – beziehungsweise fahren früher von dort ab.

      Während der Bauzeit ganz ausfallen werden die Regionalbahnen der
      Erfurter Bahn zwischenWeimar undJena. Die ausGera kommenden Züge machen
      am Jenaer Saalbahnhof Endstation. Reisende in Jena-Göschwitz nimmt ein
      Expressbus über die Autobahn auf. Am Paradiesbahnhof wird ein Expressbus
      abfahren, der an allen Haltestationen unterwegs stoppt.

      Der neue Halbknoten für den ICE-Verkehr befindet sich künftig
      inErfurt. Die Landeshauptstadt profitiert auch deshalb am meisten, weil
      alle Zubringer auf die Blumenstädter ausgerichtet werden. Dank der neuen
      Strecke soll sich die Reisezeit im ICE nachLeipzig um eine halbe Stunde
      auf 45 Minuten verkürzen. Alle Fernzüge kommen kurz vor halb inErfurt
      an und verlassenErfurt kurz nach Minute 30.

      Expresszüge zwischen Erfurt und Leipzig

      Während Weimar den Anschluss verliert, kommen Eisenach und Gotha auch
      weiterhin in den Genuss ihres regelmäßigen Fernverkehrshalts. Weimarer
      Reisende müssen künftig erst nach Erfurt oder Leipzig fahren, und können
      erst dann in den ICE nach Berlin oder Frankfurt einsteigen. “Wir sind
      uns bewusst das Weimar als Touristen-Magnet ein gutes Netz braucht,
      deshalb werden wir den diskutierten Nachteil mit einer deutlich
      verbesserten Taktung versuchen auszugleichen”, sagt Behrens.

      Die Fernzüge zwischen Berlin, Jena und München fahren jede Stunde
      über Leipzig statt über Halle. Künftig sollen häufiger Intercity-Züge
      statt ICE eingesetzt werden. Vorerst nur bis Jena rollt im Jahr 2016 der
      Intercity vom Ruhrgebiet nach Gera.

      Am frühen Morgen kommt im Bahnhof Jena-Göschwitz ein von Düsseldorf
      über Erfurt und Weimar kommender IC an. Weil auf der
      Mitte-Deutschland-Schiene die Oberleitung fehlt, muss der Elektrozug
      allerdings eine Umleitung über Großheringen nehmen. Am Mittag startet
      dann die Rückfahrt ins Ruhrgebiet von Jena aus. Der Zug soll irgendwann
      auch bis Gera fahren. Voraussetzung dafür ist aber eine kompatible
      Diesellok für den Doppelstock-Intercity – daran fehlt es bisher. Mit
      neuen barrierefreien Fahrzeugen vom Typ Talent 2, die bereits im
      Mitteldeutschen S-Bahn-Netz im Einsatz sind, nimmt Abellio den Betrieb
      im Saale-Thüringen-Südharz-Netz auf. Das Unternehmen will Expresszüge
      zwischen Erfurt und Leipzig anbieten – entweder mit Umstieg in Naumburg
      oder im stündlichen Wechsel auch als Direktfahrt.

      Bestehen bleibt derweil die Regionalbahnlinie von Eisenach über
      Erfurt und Naumburg nach Halle. Entgegen bisheriger Planungen will die
      NVS im Jahr 2016 im Saaletal von Saalfeld über Jena nach Leipzig
      Abellio-Regionalbahnen im Zwei-Stunden-Takt ordern. Zwischen Saalfeld,
      Jena und Naumburg fährt eine Regionalbahn in der jeweils anderen Stunde.
      Sie soll die aktuellen Doppelstockzüge der Deutschen Bahn ablösen.
      Schlechte Nachrichten auch für Pendler von Leipzig nach Jena: Der erste
      durchgängige Abellio-Zug startet in Leipzig erst 7.52 Uhr und erreicht
      Jena deshalb erst 9.10 Uhr.

      Um die neue ICE-Strecke durch den Thüringer Wald einzubinden, muss
      die Frankenwaldbahn zwischen Lichtenfels und Bamberg sogar acht Monate
      stillstehen. Während der Bauarbeiten werden Jena und Saalfeld vom
      Fernverkehr abgeschnitten. Die ICE-Linie Berlin-München soll nur alle
      zwei Stunden verkehren und die Umleitung über Würzburg und Erfurt
      nehmen. Zwischen 70 und 90 Minuten verlängert sich deshalb die Reisezeit
      für Jenaer beim Umweg über Erfurt oder Gera. Am schnellsten kommt man
      in den Süden, in dem man in den Franken-Thüringen-Express nach Nürnberg
      einsteigt. Trotz Schienenersatzverkehrs soll sich die Reisezeit zwischen
      Lichtenfels und Bamberg nur um 15 Minuten verlängern.

      Verhandeln müssen die Unternehmen noch, ob der
      Franken-Thüringen-Express übergangsweise im Zwei-Stunden-Rhythmus bis
      Leipzig ausgedehnt wird. Nur dann wäre ein Anschluss über die Schiene an
      den Fernverkehrsknoten gegeben. Diesem Entwurf müssen die Bundesländer
      aber erst noch zustimmen. Falls daraus nichts wird, soll die Lücke
      alternativ durch mehrmals am Tag verkehrende IC-Fernbusse ab Jena nach
      Leipzig und Richtung Süden geschlossen werden. Auch zwischen Gera und
      Altenburg müssen Kunden noch mehr Flexibilität an den Tag legen. Grund
      ist die Baustelle zwischen Lehndorf und Paditz. Der Takt der Züge der
      Erfurter Bahn auf der Linie Leipzig-Gera-Saalfeld verschiebt sich um 30
      Minuten.

      Neuer Bahn-Fahrplan in Thüringen: Fahrgäste können Ideen einbringen

      Bericht bei: Jan Schumann

      Quelle bei: TA

      Neuer Bahn-Fahrplan in Thüringen: Fahrgäste können Ideen einbringen

      Der neue Fahrplan soll für Thüringer Bahnreisende kein
      unveränderliches Diktat der Verkehrsbehörden- und Unternehmen sein.
      Deshalb ruft die Nahverkehrsservicegesellschaft Kunden dazu auf, eigene
      Ideen und Vorschläge einzubringen.



      Ein Abellio-Express hält am Bahnhof in Apolda: Solche Züge rollen künftig
      auf der Saalebahn und sollen mehr Komfort und mehr Mobilfunkempfang
      mitbringen. Foto: Tino Zippel


      Weimar. “Wir wollen die Fahrgäste
      rechtzeitig informieren und auch individuelle Anregungen einbeziehen”,
      sagt Geschäftsführer Arne Behrens.

      Nachdem die NVSThüringen in Abstimmung mit den
      Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) Fahrplanentwürfe erarbeitet hatte,
      fanden Vorabstimmungen mit Landkreisen, Städten und Busunternehmen
      statt. Im nächsten Schritt sind nun die Fahrgäste selbst gefordert.

      Ab kommenden Montag (16. Februar) nämlich werden die Entwürfe im Internet
      zur Diskussion gestellt. Fahrgäste können zwei Wochen lang eigene
      Anregungen einreichen.

      Behrens & Co. hoffen dabei insbesondere auf die
      Mitwirkung sogenannter “Heavy User” (Vielnutzer). “Das sind keine
      Gelegenheitskunden, sondern richtige Hobby-Experten, die regelmäßig
      fahren und das Verkehrsnetz bestens kennen”, sagt er. Bei der Planung
      seien ihre Erfahrungen, Bedenken und Kritiken unverzichtbar.

      Besserer Empfang, mehr Komfort, kaum Internet

      Nach Ergänzung der Fahrgastwünsche wird dann im April der Fahrplan
      bei der Deutschen Bahn Netz AG bestellt. Spätestens Mitte August soll
      die Entwürfe abgerundet und der Vertrag zwischen EVU und DB Netz AG
      unterschrieben werden, ehe der Fahrplan am 14. Dezember in Kraft tritt.
      Im Rahmen der Neuausrichtung für das Jahr 2016 kommen auch neue
      Abellio-Züge zum Einsatz. Sie sollen nicht nur besseren Sitzkomfort,
      sondern auch stärkeren Mobilfunkempfang durch sogenannte Repeater
      (Verstärker) mitbringen. Beim Thema Internetzugang bleibt der
      NVS-Geschäftsführer aber vorsichtig. “Was das angeht, müssen wir
      zunächst die nötige Qualität schaffen, bevor wir unsere Kunden mit
      voreiligen schlechten Angeboten verärgern”, sagt Behrens.

      Eine weitere große Hürde sei die Einigung bei den
      Tarifen. “Bei der Integration der Fahrpläne sind wir schon sehr weit.
      Bei der Tarifintegration gibt es aber Verzögerungen”, so Behrens.

      Fahrgäste können ihre Ideen ab 16. Februar auf www.nvsthueringen.de einreichen.

      Fahrplan-Änderungen: Geduldsprobe für Thüringer Bahnreisende

      Bericht bei: Jan Schumann

      Quelle bei: TA

      Neuer Fahrplan: Jenaer Fernbahn-Bündnis fürchtet Rückfall in die Postkutschenzeit

      Die neue Thüringer Infrastrukturministerin Birgit Keller (Die
      Linke) feiert die Verbesserungen im Bahnverkehr. Doch in Jena läuft das
      Bündnis für Fernverkehr Sturm gegen die drohende Abkopplung. Sogar Gera
      sei besser gestellt.


      Noch
      rollt der ICE durch Jena, aber schon 2016 pausieren die Fernzüge für 34
      Wochen von Mitte Januar bis Anfang September. Foto: Tino Zippel


      Jena. Seit dem 16.2. stehen die Fahrplanentwürfe für
      das kommende Jahr auf den Internet­seiten der
      Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen. Bis 1.März können Bürger ihre
      Änderungswünsche mitteilen. Die Experten vom Bündnis Fernverkehr für
      Jena haben die Pläne bereits analysiert und kommen zum Schluss: Erfurt
      wird einseitig bevorzugt, während Jena der “Rückfall in die
      Postkutschenzeit” bevorsteht.

      Infrastrukturministerin Birgit Keller
      (Die Linke) feiert den neuen Fahrplan, der Ende des Jahres in Kraft
      treten soll, als Erfolg. “Durch den Ausbau der
      Express-Direktverbindungen im Regionalverkehr erschließen wir die
      Vorteile des künftigen ICE-Knotens Erfurt als Drehscheibe im schnellen
      Bahnfernverkehr für alle Thüringerinnen und Thüringer”, wird sie in
      einer Mitteilung ihres Ministeriums zitiert.

      So verkürze sich die Reisezeit durch die ICE-Neubaustrecke zwischen
      Erfurt und Berlin auf eine Stunde und 50 Minuten. Auch im Nahverkehr
      gebe es deutliche Verbesserungen durch die neuen Züge von Abellio, die
      “mit neuen klimatisierten und barrierefreien Triebwagen vom Typ Talent
      II das Reisen bequemer machen”.

      Doch in Jena warten sie vergeblich auf versprochene schnelle
      Regionalexpress-Züge nach Halle und Leipzig. “Die einzige nennenswerte
      Verbesserung ist die Abellio-Regionalbahn, die aber nur alle zwei
      Stunden von Saalfeld nach Leipzig verkehrt und mit 16 Zwischenhalten ab
      Jena 78 Minuten Fahrzeit in die sächsische Metropole benötigt”, sagt
      Wolfgang Meyer, Sprecher des Jenaer Fernverkehrsbündnisses. Damit sei
      der Zug deutlich langsamer als der ICE, der eine Stunde braucht. Selbst
      die schnellste Route per Auto sei in 65 Minuten zu schaffen.

      Als besonderes Manko benennt er fehlende Früh- und Spätverbindungen.
      So könne morgens erst der dritte ICE in Leipzig in Richtung Berlin
      erreicht werden. Der Jenaer verweist darauf, dass selbst Gera
      bessergestellt sei: Von dort werden die ersten beiden ICE um 5.12 Uhr
      und 6.15″Uhr mit kurzen Umsteigezeiten erreicht.

      Der erste durchgängige Zug von Leipzig über Jena nach Saalfeld fährt
      erst kurz vor 8″Uhr und kommt in Jena nach 9 Uhr an. “Für werktätige
      Pendler ist das kein Angebot und ein Armutszeugnis für den Verkehr
      zwischen einer Halbmillionenstadt und dem München des Ostens”, sagt
      Meyer.

      “Für die eigene Stadt haben die Erfurter Planer dies besser
      berücksichtigt: Direktzüge in die Landeshauptstadt starten bereits um 6
      und um 7 Uhr.” Auch abends verlasse der letzte Direktzug nach Jena
      Leipzig bereits gegen 20 Uhr, während Erfurt bis nach 23 Uhr und Gera
      gar nach Mitternacht umsteigefrei angefahren werde.

      Die Jenaer kritisieren das dichte Nahverkehrsprogramm von Halle und
      Leipzig nach Erfurt. Allein im Nahverkehr sollen fast 80 tägliche Züge
      umsteigefreie Verbindungen herstellen. “Für Jena sollen es ganze 18
      sein”, sagt Meyer. “Durch Differenzen im Fahrgastaufkommen ist diese
      gewaltige Diskrepanz nicht zu erklären.”

      Meyer schwant nach diesen Plänen böses für die Zeit ab Ende 2017,
      wenn die ICE Berlin-München nicht mehr durchs Saaletal, sondern über die
      Neubaustrecke rollen. Aber schon 2016 wären dem Sprecher zufolge wegen
      einer 34-wöchigen Sperrung zwischen Lichtenfels und Bamberg und dem
      damit verbundenen ICE-Ausfall bessere Regionalzugangebote nötig.

      Linker kritisiert linkes Verkehrsministerium

      Auch der Linke-Bundestagsabgeordnete Ralph Lenkert
      kritisiert die Fahrpläne. “Das ist eine bodenlose Frechheit für die
      Region Jena, weil die Bahn für Pendler von und nach Halle und Leipzig
      unattraktiv wird”, sieht er eine “nachhaltige Beschädigung des
      Leuchtturmes Jena” gegeben. Der Zeitpunkt der ersten Verbindungen und
      die Fahrzeiten seien indiskutabel. “Den Verantwortlichen sollten
      persönliche Konsequenzen drohen, wenn sie nicht bereit sind, den Plan zu
      korrigieren.”

      Meyer schlägt in die gleiche Kerbe. “Jene Köpfe im Erfurter
      Verkehrsministerium, die auch nach dem Politikwechsel weiterhin die
      Weichen stellen, können und wollen offenbar das Ostthüringer
      Fernverkehrs-Fiasko, das sie selbst mit angerichtet haben, nicht
      kompensieren”, sagt der Jenaer Ehrenbürger, der sich auch über die
      Bemerkungen von Bodo Ramelow beim
      Jenaer Linke-Neujahrsempfang ärgert. Dort hatte der Ministerpräsident
      gesagt, dass ihn die Fehler von vor 15″Jahren nichts angehen. “Fehler
      kann man korrigieren. Er scheint seinen Koalitionsvertrag nicht zu
      kennen, der adäquaten Fernverkehrs­ersatz für Jena verspricht”, sagt
      Meyer. “Eine Erkenntnis drängt sich auf: Bei der Gestaltung des
      Nahverkehrsangebotes steht nicht die Ersatzversorgung und Anbindung der
      künftigen fernverkehrsbefreiten Regionen im Mittelpunkt, sondern die
      optimale Stärkung des ICE-Knotens der Landeshauptstadt.”

      Die Verkehrspolitik sei völlig auf Erfurt fixiert. Das Land werde
      eher weitere Millionen für Prestigeprojekte wie die ICE-City oder den
      Flughafen bereitstellen, als auch nur einen Cent für ein angemessenes
      Fernverkehrsangebot auf der Saalbahn oder die Elektrifizierung der
      Mitte-Deutschland-Verbindung ausgeben, so das Jenaer Bündnis.

      Zumindest gibt Ministerin Keller schon einen Ausblick auf den
      Fahrplan 2017, der Verbesserungen bringe. Täglich sollen sechs
      zusätzliche Regionalexpress pro Richtung zwischen Erfurt und
      Jena-Göschwitz fahren. Ab Dezember 2017 solle die Regionallinie Gera –
      Jena – Weimar nach Erfurt verlängert werden, um für Ostthüringen bessere
      Anschlüsse an den ICE-Knoten anzubieten. “Mit dem dann halbstündlichen
      Angebot zwischen Erfurt und Jena und dem viertelstündlichen Angebot
      zwischen Erfurt und Weimar wird die lange geforderte S-Bahn-ähnliche
      Taktung auf der Mitte-Deutschland-Verbindung endlich realisiert”,
      kündigt sie an.

      Bericht/Foto bei: Tino Zippel

      Quelle bei: OTZ

      Schon 250 Anregungen zum neuen Fahrplan der Nahverkehrsservicegesellschaft

      Die Nahverkehrsservicegesellschaft hat die Thüringer um ihre
      Rückmeldung zu den Fahrplanentwürfen gebeten. Binnen einer Woche gingen
      zahlreiche Verbesserungsvorschläge ein – die meisten aus Jena. Kritik
      kommt auch von Umweltministerin Siegesmund.



      Arne Behrens ist Geschäftsführer der Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen. (Foto: Marco Kneise)

      Erfurt. “Wir spüren eine überaus starke Resonanz auf
      die Fahrplanentwürfe”, sagt Arne Behrens. Er führt die Geschäfte der
      Nahverkehrsservicegesellschaft, die im Auftrag des Landes Thüringen den
      Schienennahverkehr im Land bestellt.

      Seit einer Woche bietet sie Bahnpendlern Einblicke in die Zeittafeln,
      die ab Fahrplanwechsel im Dezember gelten sollen. 250 Anregungen
      landeten bereits im Postfach. “Einige haben sich viele Gedanken gemacht
      und sogar Fahrplan­tabellen mit den eingearbeiteten Verbesserungen
      eingereicht”, sagt Behrens. “Am stärksten ist die Beteiligung aus der
      Region Jena und Umgebung.”

      Das dortige Bündnis für Fernverkehr hat die vorliegenden Pläne
      kritisiert. Vor allem die langsame Anbindung an Leipzig stößt auf
      Widerstand. “Das Interesse an unseren Handreichungen zum Thema ist so
      groß, dass am Wochenende zeitweise unsere Internetseite
      zusammengebrochen ist”, sagt Olaf Behr vom Jenaer Bahnbündnis.

      Rückendeckung erhalten die Saalestädter von Umweltministerin Anja Siegesmund
      (Grüne). “Jena ist auf dem Weg ins Mittelalter in Sachen
      verkehrstechnische Anbindung”, sagt die Jenaerin. “Die Zukunftspläne in
      Sachen Bahnverkehr stärken nur die Fernbus-Industrie.” Sie wolle den
      Dialog mit der zuständigen Kabinettskollegin Birgit Keller (Linke) suchen.

      Behrens kündigte Gesprächsrunden in Ostthüringen an. So sei geplant,
      mit den Menschen in Jena, Gera und Saalfeld zu diskutieren. Zuvor
      erwartet die NVS aber noch bis zum Sonntag die Rückmeldungen der
      Bahnfahrgäste. “Wir sind zuversichtlich, den einen oder anderen
      Vorschlag aufnehmen zu können”, sagt Behrens. Die überarbeiteten
      Fahrplantabellen gibt das Land bei den Verkehrsunternehmen in Auftrag.
      Diese müssen zwischen 13. März und 13. April ihre Wünsche bei der DB
      Netz anmelden, die über die Trassenvergabe entscheidet.

      Mindestens ein Pendler hat sich aber gar nicht erst an die NVS
      gewandt, sondern gleich der Ministerin geschrieben. “Eine Abkehr vom
      Thüringer Zentralismus mit alleiniger Ausrichtung auf den ICE-Knoten
      Erfurt ist überhaupt nicht erkennbar”, kritisiert er und beruft sich
      unter anderem auf die geplanten Nahverkehrsfahrten von Rudolstadt nach
      Jena. Zur besten Pendlerzeit habe man sich von einem Taktfahrplan
      verabschiedet. Die Züge sollen 16.16 Uhr, 16.50 Uhr, 17.14 Uhr, 17.20
      Uhr, 18.16 Uhr und 19.14 Uhr fahren – erst fahren zwei Regionalzüge im
      Abstand von sechs Minuten, dann 56 Minuten kein einziger Zug.

      Bericht bei: Tino Zippel

      Foto bei: Marco Kneise

      Quelle bei: OTZ