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Es soll vieles besser werden: So soll der Intercity nach Ostthüringen kommen Diesen Text vorlesen lassen

Autor: Support 30.11.2017

Diese Veranstaltung war ein Pflichttermin für die Chefs der in Thüringen agierenden Bahnanbieter, die Bundestagsabgeordneten, Landräte und Oberbürgermeister: Das Land Thüringen und die Deutsche Bahn hatten zum Gipfel geladen. Einige Teilnehmer gerieten ins Träumen.

Jena. Und so drängten sich am Mittwoch alle im schmalen Saal des Jenaer Maxx-Hotels, um Neuigkeiten zu erfahren. Wir fassen die wichtigsten Aussagen des Bahngipfels zusammen. Der Zeitplan bleibt wie bereits angekündigt. Zum Fahrplanwechsel im Dezember fällt die Fernzuganbindung Jenas im Stundentakt weg. Erst ab Ende 2023 fahren wieder acht Intercity-Zugpaare pro Tag auf der Saalbahn, also in einem Zwei-Stunden-Takt.

Vorerst gibt es nur ein schmales Programm. Künftig fährt morgens ein ICE um 6.51 Uhr von Jena über Berlin nach Hamburg, abends kommt ein ICE aus Berlin in Jena an. Zudem verkehrt an sechs Tagen in der Woche ein Intercity auf der Linie von Karlsruhe über Nürnberg, Saalfeld und Jena nach Leipzig und zurück.

?Es waren aber zwei ICE-Zugpaare pro Tag nach Berlin versprochen", merkte der Bundestags­abgeordnete Albert Weiler (CDU) an. Alexander Quirin von DB Fernverkehr räumte ein, dass in der Tat zunächst zwei ICE am Morgen in Richtung Berlin vorgesehen waren, abends zwei Züge in Richtung Jena. Geplant war unter anderem ein Frühzug zwischen 5 und 6 Uhr. Man habe aber noch einmal sehr genau die Marktlage erforscht und sei zur Erkenntnis gekommen, dass eine sehr geringe Nachfrage zu dieser Zeit herrsche. ?Wir wollten kein schlechtes Beispiel abgeben, sondern lieber einen vollen Zug fahren. Deshalb haben wir entschieden, dass es bei einem ICE zu einer attraktiven Abfahrtszeit bleibt."

Übergangsangebot soll kommen

Bis zum Start der Intercity-Linie im Zwei-Stunden-Takt auf der Saalbahn empfiehlt das Land, in Richtung Süden den Umweg über Erfurt zu nehmen. Mit einem Umstieg in einen Sprinter-ICE sei so eine Fahrzeit von 2:55?Stunden nach München zu erreichen, deutlich kürzer als heute auf der Saalbahn.

In Richtung Norden sind die Bahnkunden aus Saalfeld und Jena künftig länger unterwegs. Die Fahrzeit nach Leipzig hat Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) als wesentlichen Mangel ausgemacht. Sein Kabinett habe deshalb beschlossen, für die Jahre bis 2023 in Summe 33,9?Millionen Euro im Haushalt einzuplanen, um ein schnelleres Angebot zu finanzieren. Wegen Bauarbeiten auf der Strecke in Richtung Leipzig lassen die acht zusätzlichen Zugpaare pro Tag aber noch bis Dezember 2018 auf sich warten.

Derzeit laufen Gespräche für mögliche Lösungen - die Deutsche Bahn zeigte sich interessiert, eine vom Land unterstützte Linie zu bieten. Ab Jena soll die Reisezeit eine Stunde bis nach Leipzig betragen.


Intercity rollt ab Ende 2018 aus Gera

Konkrete Formen nimmt die Fernverkehrsanbindung von Gera an. Ab Dezember 2018 plant die Deutsche Bahn täglich drei Fahrten mit dem Doppelstock-Intercity in Richtung Kassel beziehungsweise Ruhr­gebiet. Dafür schafft das Unternehmen extra eine Diesellok an, die den Doppelstock-IC samt E-Lok von Gera bis Erfurt zieht. Eine erste Testfahrt in der vergangenen Woche sei sehr gut verlaufen, sagte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn in Mitteldeutschland, Eckart Fricke.

Die Intercity ersetzen in den jeweiligen Stunden die Regionalexpress-Züge. Deshalb sollen in den Intercity zwischen Gera und Erfurt auch Nahverkehrskarten gelten. Nach der Elektrifizierung der Mitte-Deutschland-Schiene sei eine Verlängerung der Linie bis Chemnitz geplant, kündigte Fernverkehrsmanager Quirin an.


Lange Bauzeit für Elektrifizierung

Bis die Oberleitung in Richtung Gera hängt, werden noch viele Jahre vergehen. Zwar hat der Maut-Deal Thüringens mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) das Projekt in den Vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes katapultiert, jedoch braucht die Elektrifizierung einen längeren Planungsvorlauf.

Laut dem Konzernbevollmächtigten Fricke investiert der Bund zehn Millionen Euro für die Machbarkeitsstudie und die Vorplanung. Erst nach Abschluss dieser Schritte lasse sich ein genauer Zeitplan für die Elektrifizierung aufstellen. Auch eine Abschätzung gab Fricke nur zögerlich ab. Der Weg bis zu einer Genehmigung sei weit, da beispielsweise der Vogelschutz zu beachten sei. Beobachtungen über bis zu drei Vegetationsperioden würden mitunter gefordert, um alle Naturschutzbelange zu berücksichtigen. Sechs Jahre könnten bis zum tatsächlichen Baubeginn noch vergehen, so Fricke.

Auch lässt sich der finanzielle Aufwand für das Projekt nicht abschätzen. So sollen mehrere Brücken über die Bahnschienen zu niedrig gebaut worden sein, so dass ohne Umbau keine Oberleitung zu installieren ist.


Land will neuen Bahnhof in Jena fördern

Infrastrukturministerin Birgit Keller (Die Linke) stellte heraus, dass Ostthüringen ein Intercity-Kreuz in Jena bekommen soll. Nach bisherigen Plänen kreuzen sich die beiden Linien am Bahnhof Göschwitz. Prognosen für die künftigen Fahrpläne besagen, dass die Intercity nicht zeitgleich in Göschwitz eintreffen, sondern mit Versatz fahren. Bedeutung hat der Halt deshalb vor allem für den Umstieg in den Nahverkehr.

Deshalb überrascht die Ankündigung von Ministerpräsident Ramelow. Das Kabinett habe sich darauf verständigt, den Bau eines neuen Hauptbahn­hofes in Jena zu fördern. Der Zentralbahnhof könnte sich den Angaben zufolge am Gleisdreieck Burgau nahe der Sparkassen-Arena befinden. An dieser Stelle laufen die Saalbahn und die Mitte-Deutschland-Schiene parallel. Deshalb bestehe die Chance, Fernverkehr, Regionalverkehr, Straßenbahn und Regionalbus zu verknüpfen. Ramelow spielte den Ball an die Stadt Jena, die ein solches Projekt realisieren müsse, deutete aber eine großzügige finanzielle Unterstützung des Landes an. Das Projekt eines möglichen Neubaues solle ein im Infrastrukturministerium angesiedelter Lenkungsausschuss vorantreiben.

In Jena hatte es bereits in der Vergangenheit Überlegungen gegeben, in Burgau einen Zentralbahnhof zu errichten. Damals entschied sich die Stadt aber dafür, dass die Deutsche Bahn den zentrumsnahen Paradiesbahnhof als ICE-Halt etabliert. Und auch in den Bahnhof Göschwitz hat die Bahn zuletzt investiert und plant die Sanierung weiterer Bahnsteige.

Das großzügige Förderangebot verwundert vor allem deshalb, weil sich die Eigentümerin des Bahnhofes Jena-Göschwitz vergeblich um eine Unterstützung am Knotenbahnhof bemüht hatte. Sie wollte eine Wartehalle bauen, bekam aber vom Land Thüringen einen Korb. Deshalb setzt die Betreiberin des privatisierten Stationsgebäudes nun auf Eigeninitiative. Sie richtet wegen gestiegener Fahrgastzahlen einen zweiten Warteraum ein. Dieser soll über Sitzmöglichkeiten, W-Lan und eine Infotafel mit den aktuellen Abfahrtszeiten und Verspätungen verfügen. Bereits vor zwei Jahren waren im Bahnhofsgebäude Fahrkartenverkauf und Toilette wiedereröffnet worden.


Oberleitung von Gera in Richtung Leipzig

Die Deutsche Bahn spricht sich für die Bahnstrecke von Gera nach Leipzig ebenfalls für eine Oberleitung aus. Eine entsprechende Empfehlung sei an das Bundesverkehrsministerium gegangen, das nun das Potenzial prüfen wolle, berichtete Fricke. Allerdings ist das Projekt weit entfernt von einer Realisierung, so dass es noch keine Aussagen darüber gab, ob künftig auch ein ICE von Gera nach Berlin fahren könnte.

Die parteilose Oberbürgermeisterin der Stadt, Viola Hahn, merkte an, dass auch direkte Zugverbindungen von Gera in die Partnerstadt Nürnberg begrüßenswert wären.


Neue Brücke für Oberlandbahn

Als wichtiges Projekt für den Güterverkehr benannte Ramelow den Lückenschluss zwischen Bayern und Thüringen auf der Höllentalbahn. Dieser könnte 300 Lkw-Fahrten pro Tag zur Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal vermeiden. Und auch einer Reaktivierung der nördlichen Oberlandbahn in Richtung Triptis steht der Regierungschef offen gegenüber.

Bericht von: Tino Zippel

Mehr unter Quelle bei: OTZ

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